Wortschatz-, Wortbedeutungs- & Wortformstörung

Wörter sind die Grundbestandteile einer Sprache. Jedes Wort, jedes Wortteil hat für sich eine Funktion. Kombiniert mit anderen entsteht eine größere Funktionseinheit und daraus wiederum ein Sinneinheit. Verglichen mit dem Hausbau kann man sagen, dass für ein großes Haus genügend Steine vorhanden sein müssen, die passend zusammengefügt werden, damit kein windschiefes Gebilde entsteht. Am Schnellsten lässt sich das Haus bauen, wenn die Steine zuvor nach Kategorien sortiert wurden, damit man schnell das passende Teil findet. Im Worterwerb unterscheidet man verschiedene Störungsformen:

  • Wortschatzdefizit: der zur Verfügung stehende Wortschatz, also die Menge der bekannten Wörter ist gering
  • Wortabrufstörung: die Wörter sind zwar bekannt, können aber im Bedarfsfall nicht oder verzögert abgerufen werden
  • Wortformstörung: es ist zu wenig Detailwissen über die phonologische Struktur vorhanden
  • Wortbedeutungsstörung: es ist zu wenig Detailwissen über die Bedeutung des Wortes vorhanden

Symptome

Es gibt eine Reihe von Hinweisen auf diese Störungen, eine eindeutige Zuordnung fällt jedoch schwer und kann meist erst durch den Therapeuten entschlüsselt werden. Eine Auswahl an möglichen Symptomen:

  • das Kind spricht in einfachen Sätzen, verwendet wenig differenzierte Wörter, v.a. Verben
  • das Kind benützt sog. Platzhalter und Lückenfüller wie /ähm, tja, also/
  • das Kind benützt sog. deiktische Begriffe (darauf hinweisende Begriffe) z.B. zeigt das Kind auf etwas und sagt „so“ oder „da“
  • das Kind fragt nach dem Begriff, z.B. „wie heißt das nochmal?“
  • das Kind zeigt wenig Interesse an Geschichten und kann kaum den Inhalt wiedergeben
  • das Kind umschreibt einen Sachverhalt ohne den treffenden Begriff zu nennen, z.B. „damit kann man fahren, damit macht man so (+ Geste)“
  • das Kind stellt Sätze um, weil es den gesuchten Begriff nicht findet
  • das Kind zeigt wenig Interesse sich an Gesprächen zu beteiligen

Ursachen

Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie die oben beschriebenen Ausprägungen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass meist mehrere Faktoren zusammenkommen, damit sich eine Störung entwickelt. Wie bereits bei den Sprachentwicklungsstörungen beschrieben, zählen hier alle wichtigen, die allgemeine und speziell die Sprachentwicklung betreffende Faktoren hinzu, also organische und genetische, somatische, psychische und soziale Einflüsse.

Behandlung / Methode

Die Behandlung basiert grundsätzlich auf motivierenden, die Sprechlust anregenden Elementen. Dabei wird viel Wert auf eine Transparenz gelegt, die es dem Kind ermöglicht, so viele Sinneskanäle wie möglich zu nutzen, um auf breiter Basis Informationen zu empfangen und zu speichern. Gleichzeitig soll der bestehende Wortschatz gut organisiert werden, d.h. das Kind lernt Kategorien zu bilden, zu sortieren und zuzuordnen. Neu erlernte Begriffe werden in die bestehende Ordnung (im sog. mentalen Lexikon) einsortiert. Dies lässt sich in etwa mit einer gut organisierten Karteiablage vergleichen. So „findet“ das Kind schnell und zielsicher das passende Wort.

Methodisch arbeiten wir in Anlehnung an das handlungsorientierte Therapiekonzept nach Reddemann-Tschaikner, nach dem patholinguistischen Therapiekonzept nach Kauschke/Siegmüller und ergänzen mit vielen Übungsteilen aus anderen Konzepten.

Weitere Informationen

Deutscher Bundesverband der Logopäden (Informationen für Eltern)

Informationen zum Spracherwerb

Seite über kindlichen Spracherwerb und Sprachförderung für Eltern, Pädagog/inn/en, Träger von Kindertagesstätten…